Warum wir? – Bernays Tag & Nacht

Warum ich? fragen Ma., H., L., C., S., M. und Sü.

Reinhören bitte hier: Warum ich?_Teil 1
Warum ich?_Teil 2

Warum ich?

Jeden Tag nach der Schule trifft sich eine Gruppe von Freunden auf ihrem Chillerplatz. Hinten in einer ruhigen Ecke beim Park. Nicht weit von der Bernaysschule. Aber weit genug, damit sie Ruhe haben. Sie chillen, erzählen viel und lachen dabei. Meist ist es lustig. Doch an einem Tag kam es zu einer heißen Diskussion: Einer ihrer Freunde, Mahmut, kam angerannt und begann aufgeregt zu erzählen:

Ma.
Hey, kennt ihr den Daniel, der dort hinten wohnt? Dessen Beine unterschiedlich lang sind? Als ich am Hof vorbeiging, sah ich, wie Jungs, die dort wohnen, ihn wegen seiner Beine geärgert haben. Er tat mir voll Leid. Er hat geweint und ist weggelaufen und ich wollte ihm helfen, aber konnte nicht, weil ich Angst hatte auch geärgert zu werden.

H.
Ja, da ist mir auch erst etwas passiert. Mittwoch nach der Schule treffen wir uns eigentlich in der Aula. Aber meine Freunde waren nicht da. Kein einziger von ihnen. Da habe ich doch noch ein paar Freundinnen gesehen und wir gingen zu unserem Chillerplatz. Dort haben wir die Jungs getroffen. Dann hat mich einer von ihnen „Hey, du Kurde“ genannt. Dann fing es an. Einer von meinen Freunden, der Türke ist, wusste nicht, dass ich Kurdin bin, weil ich mit ihnen türkisch rede. Er war schockiert. Er ist gekommen und hat gefragt, ob ich wirklich Kurdin bin. Ich habe „Ja“ gesagt. Dann musste er lachen und sagte, dass er nichts gegen manche Kurden hat, aber gegen PKK. Ich fühle mich schlecht, weil ich als Kurdin immer von vielen Mitschülern beleidigt werde. Ich war alleine und ich habe es nicht erwartet, dass er so reagiert. Es sind ja meine Freunde. Was soll ich sagen? Wenn ich mich jetzt wehren würde, würden sie es falsch verstehen und meinen, dass ich halt ein negativer Mensch bin. Ich wollte, dass sie wissen, dass ich Kurdin bin und es akzeptieren und nichts Schlechtes über die kurdischen Menschen denken. Türken und Kurden können doch Freunde sein.

L.
Ich fühle mit dir, Schwester. Auch ich kenne so was. Als meine kleine Schwester am ersten Tag vom Hort nach Hause kam, war sie traurig. Ich fragte, was los ist? Sie hat angefangen zu weinen und gesagt, dass sie im Hort „Neger“ oder „Schokolade“ genannt wurde. Ich habe mich schlecht gefühlt, weil sich meine kleine Schwester nicht wehren konnte. Ich hätte nicht gedacht, dass kleine Kinder in diesem Alter schon andere Leute wegen der Hautfarbe beleidigen.

C.
Ja, man glaubt es nicht. Bis man es selbst erlebt. Ich fühle mich verarscht von manchen Mitschülern, weil sie mich mobben wegen meines Kopftuchs. Sogar im Internet. Es ist echt mies von den Mitschülern, weil sie nicht wissen, wie man sich dabei fühlt. Manchmal will ich einfach nur gehen und nie wieder zurückkommen. Und alles vergessen und das für immer. Ich fühle mich dabei echt scheiße.

S.
Aber das passiert nicht nur an der Schule. Ich wurde von Polizisten aufgehalten, weil die gedacht haben, dass ich Drogendealerin bin wegen meiner roten Haarfarbe. Ich fühlte mich dabei echt mies, weil ich keine Drogendealerin bin. Nur weil ich rote Haare habe! Allein deswegen haben die mich schon verdächtigt. Wegen der Haare. Das muss man sich mal vorstellen !!

M.
Bei dir die Haare. Bei mir die Augen. Jeden Tag höre ich immer von fremden Menschen auf der Straße „Japchinese“. Heute z.B. kam ich von der U-Bahn hoch und da stand eine Gruppe von Jugendlichen. Sie sagten zu mir „Japchinese“, obwohl ich keine bin. Aber ich fühle mich schlauer als die anderen, die es zu mir sagen. Ich will damit sagen, dass die, die diese Ausdrücke sagen, dumm sind und zwar deshalb, weil sie die asiatischen Menschen nicht unterscheiden können. Eigentlich beleidigen sie damit die ganzen ostasiatischen Menschen. Das hört man immer und überall und egal, wo man ist. Sie beleidigen unsere Sprache. Sie sagen z.B. „Chin Chan Chong“. Vor allem werden die Augen und die Sprache beleidigt. Da fühlt man sich einfach schlecht.

L.
Bei mir ist es die Hautfarbe. Allein wegen meiner Hautfarbe werde ich beleidigt. Ich saß in der U-Bahn und hinter mir stand eine alte Frau. Ich habe sie nicht gesehen und sie wollte sich hinsetzen. Da hat sie zu mir gesagt: „Ihr Niggers setzt euch auch nicht weg, wenn sich eine alte Frau setzen will.“
„Ich habe Sie nicht gesehen. Es tut mir leid.“, sagte ich. Da sagte die Frau: „Ich hab noch nie einen Neger gesehen, der unaufgefordert aufgestanden ist.“ Dann bin ich aufgestanden.

Wir sollten alle aufstehen. Wir alle!

Warum wir? (Rap)

S.
Man sollte andere so akzeptieren wie sie sind – egal, ob andere Hautfarbe, Haarfarbe oder andere Herkunft.

L.
Ich will nicht in einer Zivilisation leben, wo man wegen seiner Hautfarbe, Behinderung, Herkunft oder wie man aussieht, gemobbt wird. Ich will in einer Zivilisation leben, wo es egal ist, wie man ist oder was man ist.

M.
Aussehen und Herkunft ist nicht das Wichtigste. Das Wichtigste ist der Charakter.

H.
Achte auf deine Wörter, denn sie werden deine Angewohnheiten.
Achte auf deine Angewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

Sü.
Wenn du dich über jemanden lustig machst, wird der Tag kommen, an dem sich andere über dich lustig machen!

Alle:
Bei mir die Augen und die Haare, bei ihr die Hautfarbe, bei dir die Herkunft, bei ihm die Religion, bei uns die Behinderung, bei anderen die Überheblichkeit und Arroganz.

Nobody is perfect !

Egal, ob schwarz, weiß, hell, dunkel, Europäer, Asiat, Türke, Kurde, groß, klein, dick, dünn, hübsch, hässlich, …

 

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Eine Antwort auf Warum wir? – Bernays Tag & Nacht

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