Idee

Die Möglichkeiten, die sich mit der Digitalisierung des Buches eröffnen, sind für Leser und Autoren ungeheuer vielfältig und spannend - dann, wenn die Digitalisierung mehr sein will als bloßes Abbild eines Printtextes in einem neuen Format, das dann auf irgendeinem Gerät gelesen werden kann. Welche neuartigen Inhalte bringt die Digitalisierung auf den Weg? Wie verändert sich die Art und Weise, wie Inhalte und Literatur zustande kommen? Streetview Literatur ist ein Projekt, um einige dieser Möglichkeiten auszuloten und in einem für Autoren und Leser spannenden Werk umzusetzen.

Grundidee von Streetview Literatur ist es, einzelne Kurzgeschichten vieler, verschiedener Autoren zusammenzubringen. Nicht im Sinne einer Anthologie, sondern im Zusammenknüpfen eines Geflechts. Jede Kurzgeschichte folgt einer einzelnen Person: woher kommt sie, wohin will sie, was passiert auf dem Weg, welches „Geheimnis“ trägt sie mit sich, … Der Leser kann sich entscheiden, welcher Person und damit welcher Geschichte er folgen möchte. Er kann Eintauchen in das Gemenge von Menschen im Straßengewirr. Er trifft auf Personen, begleitet ihren Weg, bevor er abbiegt und sie im Gewirr von Menschen und Wegen wieder verliert. Die Verknüpfung der einzelnen Texte untereinander erfolgt über die Straßen- und Ortsangaben.

Thema des Literaturprojektes ist das Spannungsfeld zwischen Privatem / Persönlichem / dem Einzelnen und dem Öffentlichen / der Gruppe / Community. Daher der Projekttitel “Streetview Literatur”. Er versinnbildlicht den Übergang und das Ineinandergreifen von privat und öffentlich wie er sich in den aktuellen Debatten um Internetmechanismen (z.B. hinsichtlich Google Street view und Facebook) manifestiert. Das Literaturprojekt Streetview Literatur nimmt damit die (Rück-)Übersetzung des Verhältnisses von privat und öffentlich, von Individuum und Gemeinschaft  aus der virtuellen Welt ins reale (Er-)Leben vor. Im realen Leben wird erfahrbar, was im Internet abläuft: wie sich Einzelner und Gruppe zueinander verhalten, wie sich privat und öffentlich gegeneinander abgrenzen und gleichzeitig ineinander auflösen. Internetphänomene werden im Realen transparent.

Streetview Literatur wird als Internetangebot, als eBook und als App umgesetzt. Dabei geht es nicht primär darum, neue Formate zu nutzen, sondern damit eine neue Art von Literatur auf den Weg zu bringen. Im wahrsten Sinne des Wortes auf den Weg bringen! Denn in Streetview Literatur werden die Straßen und Orte der Stadt in jeder einzelnen Geschichte direkt benannt und damit die Wege nachvollziehbar. Das Geflecht wird innerhalb der Stadt real erfahrbar. So gelingt es die Literatur über Menschen zu den Menschen zu bringen. Am augenfälligsten passiert dies bei Streetview Literatur durch die App. Man kann sich mit den fiktiven Personen unter die realen mischen und die Texte direkt vor Ort erleben. Die klare Trennung von fiktiv und real verschwimmt.

2 Antworten auf Idee

  1. Liebe Marion,

    was für eine super Idee! Die Vorstellung, dass Autoren und Autorinnen durch die Straßen ihrer Städte und Orte laufen, um einen literarischen Stadtplan, ein literarisches Street-View zu erschaffen ist einfach fabelhaft!
    Ich werde das Projekt gern an meine Teilnehmer und Autoren weiterleiten und hoffe, Du bekommst viele gute Texte.

    Außerdem freue ich mich, wenn Du beim Literaturtreff im Januar Dein Projekt, Deine Visionen und Dich selbst dem Publikum vorstellst!

    Für alle Interessierten: http://www.schreibundweise.de/literaturtreff/aktuell.shtml

    Herzliche Grüße
    Diana Hillebrand

    • Marion Schwehr sagt:

      Danke, Diana! Ich freu mich unheimlich auf die Texte, vor allem auch auf deinen! Und natürlich auch auf zwei spannende Abende im Januar. Danke für deine Einladung!

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